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Stick-Ratgeber

Stickvlies-Ratgeber: welches Vlies für welchen Stoff

Schneidevlies, Reißvlies, wasserlösliches Vlies und Topping: was jedes leistet, eine Tabelle Stoff für Stoff, wie du einspannst oder schweben lässt und wie du Kräuseln und Lücken aufs Vlies zurückführst.

6 Min. LesezeitVom StitchMyPic-Team

Warum ist Stickvlies so wichtig?

Ein Design von 100 × 100 mm kann 10.000 und mehr Nadeleinstiche in ein kleines Stück Stoff setzen, und an jedem einzelnen zieht der Faden. Stoff allein hält das nicht aus, ohne sich zu dehnen, zu verschieben oder zu kräuseln. Stickvlies ist die Lage, meist darunter mit eingespannt, die den Stoff beim Sticken ruhig hält und in manchen Fällen die Stiche ein ganzes Kleidungsstück-Leben lang stützt.

Die meisten Probleme, die man der Stickdatei anlastet, sind in Wahrheit Vliesprobleme: Kräuseln um das Design, Lücken zwischen Füllungen und Konturen, Buchstaben, die aus der Reihe tanzen, oder ein Design, das bis zur ersten Wäsche gut aussieht. Das richtige Vlies ist die günstigste Qualitätsverbesserung beim Maschinensticken.

Welche Arten von Stickvlies gibt es?

  • Schneidevlies (Cut-away): bleibt dauerhaft im Kleidungsstück; den Überstand schneidest du nach dem Sticken ab. Es ist die Stütze für alles, was sich dehnt. Die Grammatur wird oft in Unzen pro Quadratyard angegeben: etwa 1,5 oz (ca. 50 g/m²) für No-Show-Vlies (Polymesh), das weich ist und unter hellem Strick kaum durchscheint, 2,5 oz (ca. 85 g/m²) für den Alltag und 3 oz (ca. 100 g/m²) für dichte Designs.
  • Reißvlies (Tear-away): stützt den Stoff beim Sticken und wird danach abgerissen. Ideal für stabile Webstoffe, die keine dauerhafte Stütze brauchen. Zwei leichte Lagen reißen sich sauberer ab als eine schwere.
  • Wasserlösliches Vlies (Wash-away): löst sich in Wasser auf. Folienvarianten dienen als Topping; schwerere, faserige Varianten sind die Basis für freistehende Spitze, bei der nur Garn übrig bleiben soll.
  • Hitzelösliches Vlies (Heat-away): wird mit dem Bügeleisen entfernt, für Stoffe, die nicht nass werden dürfen. Seltener.
  • Bügel- und Klebevarianten: aufbügelbares Schneide- oder Reißvlies verbindet sich mit dem Stoff und verhindert, dass Strick verrutscht; selbstklebendes Reißvlies hat eine abziehbare Klebefläche für Teile, die sich nicht einspannen lassen.
  • Topping: eine dünne wasserlösliche Folie, die oben auf den Stoff gelegt wird. Sie verhindert, dass Stiche in Florstoffen wie Frottee, Fleece, Samt und Cord versinken.

Stickvlies nach Stoff

  • T-Shirts, Jersey, Polos: Schneidevlies. No-Show-Vlies für helle Farben und leichtere Designs, mittleres Schneidevlies für dichtere. Eine Bügellage hilft, damit sich der Strick beim Einspannen nicht dehnt.
  • Sweatshirts und Hoodies: mittleres Schneidevlies. Topping dazu, wenn die Oberfläche angeraut oder flauschig ist.
  • Fleece und Minky: Schneidevlies darunter, wasserlösliches Topping darüber.
  • Patchworkstoff und Hemdenstoff: mittleres Reißvlies für leichte Designs; Schneidevlies, wenn das Design dicht ist.
  • Denim, Canvas, Köper, Taschen: Reißvlies, oder Schneidevlies bei schweren Füllungen auf Teilen, die oft gewaschen werden.
  • Handtücher: Reiß- oder Schneidevlies darunter, wasserlösliches Topping darüber – und keine winzigen Details, die in den Schlingen verschwinden.
  • Strukturierte Caps: festes Cap-Reißvlies, auf dem Caprahmen eingespannt.
  • Leder und Kunstleder: Schneide- oder Reißvlies, kein Topping und ein Design mit geringerer Dichte, weil jedes Nadelloch bleibt.
  • Seide und transparente Stoffe: No-Show-Vlies oder wasserlösliches Vlies, wenn nichts sichtbar sein darf.
  • Freistehende Spitze: zwei Lagen faseriges wasserlösliches Vlies oder eine schwere Lage.

Im Zweifel zwischen zwei Optionen nimm die festere. Zu viel Vlies ist selten ein Problem, zu wenig fast immer.

Stoff einspannen oder schwebend sticken?

Spann ein, wann immer es geht, und sticke Teile schwebend, die nicht in einen Rahmen passen, etwa dicke Handtücher, Kragen und fertige Taschen.

Spann Stoff und Vlies zusammen ein, glatt und straff, sodass ein leichtes Antippen wie eine Trommel klingt. Zieh nicht mehr am Stoff, wenn der Rahmen geschlossen ist: Gedehnter Strick entspannt sich nach dem Sticken, und das Design kräuselt sich. Achte auf einen geraden Fadenlauf und markiere die Mitte mit einem auswaschbaren Stift, damit du die Nadel ausrichten kannst.

Manches passt in keinen Rahmen: dicke Handtücher, Kragen, kleine Taschen, fertige Taschen. Die stickst du schwebend:

  1. Spann nur das Vlies ein (selbstklebendes Reißvlies oder normales Vlies mit temporärem Sprühkleber).
  2. Drück das Teil darauf, ausgerichtet an deinen Markierungen.
  3. Stick zuerst einen Heftrahmen um den Designbereich, wenn deine Maschine das anbietet, damit alles an seinem Platz bleibt.

Nimm auch die richtige Nadel: eine Kugelspitznadel (Stärke 75/11 ist eine gängige Wahl) für Strick, eine spitze Nadel für Webstoffe und Leder – und wechsle sie regelmäßig. Eine stumpfe oder beschädigte Nadel verursacht Fadenrisse, die wie ein Dateiproblem aussehen.

Das Vlies ans Design anpassen, nicht nur an den Stoff

Dasselbe T-Shirt braucht für ein leichtes Kontur-Design eine andere Unterstützung als für ein voll gefülltes Abzeichen. Entscheidend ist die Dichte. Bei einem typischen Reihenabstand von 0,4 mm setzt eine Füllung vor der Unterlage etwa 70 Stiche pro Quadratzentimeter – ein voll gefülltes Design von 100 × 100 mm kann also 7.000–10.000 Stiche erreichen. Eine Geradstich-Kontur in derselben Größe kommt vielleicht auf ein paar Hundert.

Faustregeln:

  • Große, volle Füllungen auf jedem dehnbaren Stoff: Schneidevlies, ohne Ausnahme.
  • Dichte Designs auf Webstoffen: mittleres Reißvlies oder zwei Lagen.
  • Leichte Kontur- oder Redwork-Designs: Auf Webstoffen reicht meist leichtes Reißvlies; Strick will trotzdem Schneidevlies.

Wenn du weder Stoff noch Vlies ändern kannst, ändere das Design: Eine etwas leichtere Dichte und eine kleinere Füllfläche verringern die Belastung des Stoffs.

Was verursacht Kräuseln und Lücken?

Die meisten Kräusel und Lücken entstehen durch ein zu leichtes Stickvlies, beim Einspannen gedehnten Stoff oder ein Design, das für den Stoff zu dicht ist.

  • Kräuseln um das Design: Vlies zu leicht, Stoff beim Einspannen gedehnt oder Dichte zu hoch. Nimm ein festeres oder aufbügelbares Vlies und spann ein, ohne zu ziehen.
  • Lücken zwischen Füllung und Kontur: Der Stoff hat sich beim Sticken bewegt. Nimm Schneidevlies oder eine Klebelage, spann straffer ein und sorg dafür, dass das Design genug Zugausgleich hat.
  • Stiche versinken im Stoff: Bei Florstoffen wasserlösliches Topping verwenden.
  • Vlies scheint durch: Wechsle zu No-Show-Vlies, nimm ein Vlies in Stofffarbe und schneide Schneidevlies etwa 6 mm von der Stickerei entfernt mit abgerundeten Ecken zurück.
  • Löcher an den Rändern des Designs: Nadel zu dick oder Dichte zu hoch für den Stoff; nimm eine feinere Nadel und eine leichtere Dichte.

Wie StitchMyPic die Stiche an deinen Stoff anpasst

Das Vlies ist die halbe Antwort, die Stiche sind die andere Hälfte. Im StitchMyPic-Editor wählst du den Stoff, und die Einstellungen passen sich an. Webstoff nutzt zum Beispiel 0,40 mm Füllabstand und 0,2 mm Zugausgleich; Strick etwas leichtere 0,42 mm mit 0,3 mm Zugausgleich; Frottee dichtere 0,38 mm ohne feine Details; Denim 0,45 mm; und Leder leichte 0,55 mm ohne Unterlage. Der Editor erinnert dich außerdem daran, welches Vlies du für diesen Stoff verwenden solltest.

Die Vorschau ist kostenlos, und ein Download (1 Credit, siehe Preise) enthält PES, DST, JEF und EXP. Neue Exporte innerhalb von 7 Tagen sind gratis – zeigt ein Probesticken also, dass du für einen dehnbaren Stoff ein leichteres Design brauchst, passt du es an und lädst es erneut herunter. Starte mit PNG in PES oder PNG in DST.

Fragen zu diesem Thema

Kann ich Reißvlies bei einem T-Shirt verwenden?

Direkt nach dem Ausspannen sieht es vielleicht gut aus, aber sobald das Reißvlies weg ist, stützt nichts mehr die Stiche, und das Design verzieht sich, wenn sich der Strick dehnt und gewaschen wird. Nimm bei T-Shirts und anderem Strick Schneidevlies.

Wie viele Lagen Stickvlies sollte ich verwenden?

Meist reicht eine Lage in der richtigen Stärke. Für dichte Designs auf Webstoffen nimm lieber zwei leichte Lagen Reißvlies statt einer schweren, und auf Florstoffen kommt Topping dazu.

Brauche ich bei Handtüchern wirklich Topping?

Ja, bei den meisten Designs. Ohne wasserlösliches Topping versinken Satinstiche und kleiner Text zwischen den Schlingen und wirken dünn oder lückenhaft. Das Topping wird nach dem Sticken ausgespült oder abgerissen.

Wie nah sollte ich Schneidevlies zurückschneiden?

Lass etwa 6 mm rund um das Design stehen und runde die Ecken ab, damit die Kante nicht durchscheint und nicht kratzt. Direkt an den Stichen abzuschneiden schwächt die Stütze.

Quellen

Herstellerseiten und Dokumentationen, an denen wir die Fakten in diesem Ratgeber geprüft haben:

  1. OESD: Grundlagen zu Stickvlies (Schneidevlies für Strick, Reißvlies für Webstoffe, wasserlösliches Topping)
  2. Sulky: Reißvlies für Webstoffe, Schneidevlies für Strick
  3. Sulky: wasserlösliches Topping auf Frottee-Handtüchern
  4. SCHMETZ-Nadelratgeber (Jersey-Nadeln mit Kugelspitze, Sticknadeln 75/11 und 90/14)